Was gibt’s Neues?

… oder was eine Litfasssäule mit der Zitronenpresse und einem Saxophon gemeinsam hat.

Wir als Menschen im 21. Jh. sind es gewohnt, dass sich beinahe jeden Tag auf dem Sektor der Forschung und Entwicklung etwas Neues tut. Vor allem die Bereiche der Medizin, der Naturwissenschaften, aber auch die IT zeigen sich da ungemein umtriebig. Andere Bereiche scheinen da etwas mehr zum Stillstand gekommen zu sein. Das 21. Jh. wird als äußerst innovativ und dynamisch angesehen, vor allem von den Menschen die darin leben. Aber auch in den vergangenen Jahrhunderten haben viele kluge Köpfe Sachen entwickelt oder Entdeckungen gemacht, die uns bis heute von Nutzen sind. Da bildet das 19. Jh. – also die Jahre 1801-1900 – keine Ausnahme. Einige der Entdeckungen, Erfindungen und Neuerungen sollen im heutigen Beitrag vorstellt werden. Zur besseren Übersicht werden sie in einzelne Bereiche zusammengefasst sein.

Verkehr- und Transportwesen

Das 19. Jh. ist eine Zeit der Mobilität. Neue Fortbewegungsmittel werden entwickelt. Als erstes denkt man sicher an das Automobil. Im Jahr 1886 entwickelte der deutsche Ingenieur Carl Friedrich Benz (1844-1929) das erste dieses Fahrzeugtyps. Der so genannte Benz Patent-Motorwagen erblickte in Mannheim das Licht der Welt. Einige Jahrzehnte zuvor entwickelte ebenfalls ein Deutscher ein weiteres Vorbewegungsmittel, dass aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Karl Drais (1785-1851) erfand 1817 das erste Laufrad, der Vorfahre unserer heutigen Fahrräder. Dieses Gefährt wurde seinem Erfinder zu Ehren „Draisine“ genannt. Aber nicht nur auf den Straßen wurde es im 19. Jh. lebendiger. Im Jahr 1814 kam es zum ersten Einsatz einer Dampflok, worauf dann die Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke 1825 in England zwischen Stockton und Darlington kam. Allerdings wurden vorerst nur Güter beförderte. Der erste Zug, der Menschen transportierte, fuhr 1830 von Manchester nach Liverpool. Schnell eroberte die Eisenbahn Europa und ihr Siegeszug führte sie auch in die USA. Bereits im Jahr 1869 bestand eine transkontinentale Eisenbahnstrecke zwischen dem Atlantik und dem Pazifik. In Utah wurden am 10. Mai dieses Jahres die Central Pacific und die Union Pacific Railroad zusammengeführt. Auch Russland begann im 19. Jh. mit dem Bau einer gewaltigen Eisenbahnstrecke. 1891 wurde der Grundstein für die Transsibirische Eisenbahn gelegt, die allerdings erst im 20. Jh. fertig gestellt wurde. Aber auch in den Städten kam die Zeit der Fortbewegungsmittel auf Schienen. In vielen Metropolen entstanden die ersten Straßenbahnen.

Doch nicht nur auf dem Land hat sich auf diesem Sektor einiges getan, sondern auch hoch zur See. 1843 nahm der erste schraubengetriebene Dampfer aus Eisen seinen Betrieb auf. Gebaut wurde er in Großbritannien. Man fand auch Mittel und Wege um die Routen der Schiffe abzukürzen um Zeit zu sparen. Am 16. November 1869 wurde der Suezkanal eröffnet. Damit wurde eine direkte Verbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer geschaffen. Auch auf dem Gebiet der Luftfahrt wurden immer neue Erfindungen und Weiterentwicklungen gemacht. Eines davon ist das Luftschiff. Bereits in den Jahrhunderten zuvor hatte es Ideen zum Bau solcher Geräte gegeben. Aber das erste Luftschiff erhob sich im Jahr 1852 in die Lüfte. Ihren Höhepunkt hatten die Luftschiffe aber erst Ende des 19. Jh. bzw. Anfang des 20. Jhs.

Neue Treibstoffe wurden benötigt und auch diese mussten von A nach B transportiert werden. So kam es 1866 zur Entwicklung des ersten Tankwagens und die erste Pipeline nahm ihren Dienst nur ein Jahr später auf.

Bereits im Bereich des Verkehrswesens ist deutlich geworden, wie dynamisch und innovativ das 19. Jh. gewesen ist. Kommen wir zum nächsten Sektor.

Kommunikation und Medien

Der Mensch sucht immer nach neuen Formen der Kommunikation und im 19. Jh. wurde einige neue entdeckt oder weiterentwickelt. Ein Beispiel dafür ist die Erfindung des Morsetelegraphs von Samuel Morse (1791-1872) im Jahr 1833 in den USA. Bereits vier Jahre später kam es zum ersten Test des neuen Geräts. Nur ein Jahr darauf wurde dann der noch heute verwendete Morsecode entwickelt. Da man auch mit den Ländern in Übersee kommunizieren wollte, kam es bereits 1851 zum Bau der ersten Seekabelverbindung für Telegraphen. Einige schlaue Köpfe begannen sich Gedanken zu machen, wie man Sprache übermitteln könnte. Einer davon war Alexander Graham Bell, der es 1876 schaffte, ein funktionierendes Telefon zu entwickeln. Natürlich hatte dieses Gerät mit unseren heutigen Smartphones sehr wenig Ähnlichkeit. Aber Bell ist es zu verdanken, dass wir heute so leicht miteinander über weite Distanzen sprechen können. Ein weiteres sehr interessantes Mittel zur Übertragung von Nachrichten und Informationen ist die Rohrpost. Heute sieht man dieses Kommunikationsmittel nur noch selten. Mittels Druckluft werden kleine Zylinder durch ein System aus Rohren von Sender zum Empfänger befördert. In der 2. Hälfte des 19. Jh. entstanden solche Anlagen in London, Wien und Berlin.

Doch was wenn jemand blind ist und die Nachricht nicht lesen kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Mann namens Louis Braille. Dieses Genie entwickelte 1825 eine Schrift für Menschen ohne Sehvermögen. Der Blinde fährt mit seinem Finger über das Papier und kann durch ein bestimmtes Muster, das aus Punkten besteht, erkennen um welchen Buchstaben es sich handelt. Dem Erfinder zu Ehren heißt diese Schrift bis heute „Brailleschrift“.

Auch die Werbung fand neue Wege sich in den Köpfen der Menschen breit zu machen. Dabei half eine Erfindung von einem Mann namens Ernst Litfass. Dieser ließ am 1.7.1855 zum ersten Mal eine Werbesäule mit Plakaten in Berlin aufstellen. Noch heute spricht man dann von einer „Litfasssäule“.

Soviel zum Bereich der Medien. Als nächstes werfen wir einen Blick auf die Errungenschaften in Nahrungsmittelbranche bzw. Landwirtschaft.

Nahrungsmittel

Ein Lebensmittel, das sich in vielen Kühlschränken wiederfindet, ist die Margarine. Dabei handelt es sich um ein industriell hergestelltes Streichfett, das seinen Ursprung im 19. Jh. hat. Im Frankreich suchte man nach einer haltbaren Alternative für Butter, um die Armeen besser versorgen zu können. 1869 gelang es Hippolyte Mège-Mouriès eine solche herzustellen. Auch das Milchpulver wurde im 19. Jh. entwickelt. Bedeutende Entwicklungen auf dem Gebiet der Haltbarmachung von Nahrungsmittel waren die erste Konservenfabrik 1812 sowie die Entwicklung einer Kältemaschine von Carl Linde (1842-1934). Auch die Erfindung des Einmachglases soll an dieser Stelle erwähnt werden.

Alltag

Das 19. Jh. steckt auch voller Erfindungen, die uns den Alltag noch heute erleichtern. Hier sollen drei Beispiele genannt werden. Im Jahr 1812 wurden in Paris die ersten Sichtblenden mit Lamellen entwickelt. Dabei handelt es sich um Holzlamellen, die mit Ketten aneinander befestigt waren. Schon bald hielt diese Entwicklung Einzug in den Häusern der Pariser. Bleistifte sind eine tolle Sache, aber durch intensiven Gebrauch werden sie stumpf. Aus diesem Grund entwickelte Franz Theyer 1835 in Wien einen Bleistiftspitzer, der aus zwei Feilen bestand. Bereits zwölf Jahre später kam es dann zur Verbesserung dieses Geräts, in dem man den Spitzer mit einem schrägen Messer versah. Als letzter Alltagsgegenstand soll an dieser Stelle die Zitronenpresse erwähnt werden. Leider ist der Erfinder unbekannt, der uns 1896 diese Küchenhilfe hinterließ.

Kommen wir zu den schönen Künsten, bevor wir uns dann noch den Naturwissenschaften und der Medizin widmen.

Musik

Singen und Musizieren war für die Menschen im 19. Jh. nichts Neues mehr. Schon in den vergangenen Jahrhunderten hatte es in diesem Gebiet bahnbrechende Entwicklungen gegeben. Künstler hatten ihren Zeitgenossen und der Nachwelt großartige Werke hinterlassen, die bis heute nicht an Bedeutung verloren haben. Aber auch im 19. Jh. kam einiges Neues auf diesem Gebiet hinzu. Im Jahr 1840 erblickte ein neues Musikinstrument das Licht der Welt – das Saxophon. Sein Erfinder ist Adolphe Sax aus Belgien und kurze Zeit später wurde das Saxophon zum Patent angemeldet. Das Jahr 1887 war für die Musik auch revolutionär, als der Ingenieur Emil Berliner (1851-1929) das Grammophon entwickelte. Das Patent meldete er am 26. September an. Damit einher ging auch das Abspielmedium „Schallplatte“. So konnten Menschen Musik nun ganz neu erfahren.

Im 19. Jh. lebten auch große Musiker und einer davon ist Guiseppe Verdi (1813-1901). Eine seiner bekanntesten Opern trägt den Titel „Nabucco“ und wurde am 9. März 1842 in Mailand uraufgeführt. Damit gelang Verdi der internationale Durchbruch und bis heute ist sein Meisterwerk auf den Bühnen dieser Welt zu hören und zu sehen.

Von der Kunst geht es nun zu den Naturwissenschaften, denn hier tat sich einiges.

Naturwissenschaften

Fangen wir mit der Biologie an. Bereits in einem meiner ersten Beiträge habe ich über einen Mann geschrieben, der eine bedeutende Entdeckung auf dem Gebiet der Genetik gemacht hat. Der Augustinermönch Gregor Mendel entwickelte in den 1860er Jahren die nach ihm benannten „Mendel’schen Gesetze“, die sich mit der Vererbung von gewissen Merkmalen bei Pflanzen beschäftigten. Dieser Entdeckung war jahrelange Forschung im Klostergarten vorangegangen.

Der Forscher Michael Faraday entwickelte die nach ihm benannten Faraday’schen Gesetze, die sich mit dem Zusammenhang zwischen elektrischer Ladung und dem Stoffumsatz bei elektrochemischen Reaktionen beschäftigen. Faraday bezeichnete diese Vorgänge als Elektrolyse. So konnten Metalle in ihrer elementaren Form gezeigt werden. 1834 veröffentlichte der Forscher dann seine Ergebnisse.

Doch das war nicht das einzige, was sich auf dem Gebiet der chemischen Elemente tat. Im Jahr 1896 entdeckte der französische Physiker Henri Becquerel die radioaktive Strahlung des Elements Uran. Doch erst Marie Curie gab diesen Strahlungen den Namen „radioaktiv“, den wir noch heute leider immer wieder verwenden müssen. Im 19. Jh. wurde aber auch zahlreiche Elemente entdeckt. Beispiele dafür wären die Edelgase (bis auf Radon), Lithium, Bor, Calcium und Kalium, Vanadium, Selen, Brom oder Silicium.

Auch die Röntgenstrahlen wurden im 19. Jh. von Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) entdeckt. Er selbst nannte diese aber X-Strahlen, was sich im Englischen „x-ray“ heute noch wiederspiegelt.

Im letzten Jahr des 19. Jhs. legte der Physiker Max Planck (1858-19479 den Grundstein für die Quantenphysik. Dies tat er im Rahmen einer Abhandlung über die Strahlung von Schwarzen Körpern, die Planck dann im Dezember 1900 präsentierte. Die dafür genutzte Gleichung wird noch heute „plancksche Strahlungsformel“ genannt.

Das waren nur einige Beispiele für die Entdeckungen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, aber auch die Medizin hat noch einiges zu bieten.

Medizin

Im Jahr 1816 kam es zu einer sehr bedeutenden Erfindung im Bereich der Medizin, wenngleich sie aus Schamgefühl geschah und nicht aus wissenschaftlicher Neugier. Der Arzt René Laennec sollte die Brust einer Patientin abhören. Da dies in dieser Zeit als nicht sehr schicklich gegolten hätte, benutzte Laennec eine Röhre, um Abstand halten zu können. Das Hilfsmittel entpuppte sich als akustischer Verstärker und damit war das Stethoskop erfunden. Natürlich wurde diese Erfindung im Lauf der Jahre verbessert. Unfälle passierten schon immer und so ein Bein ist schnell gebrochen. Wichtig ist den betroffenen Körperteil ruhig zu stellen. 1852 wurde dafür das erste Mal Gips verwendet, der auch heute noch zum Einsatz kommt. Wenn die Schmerzen eines Patienten zu stark sind, dann braucht er ganz schnell etwas Schmerzstillendes. Dazu zählt auch Morphin. 1804 wurde dieser Stoff erstmals durch einen deutschen Apotheker isoliert und vorgestellt. Seinen Namen erhielt Morphin von Morpheus, dem griechischen Gott der Träume.

Man entdeckte nicht nur neue Heilmittel, sondern auch neue Krankheiten. Auf die Erreger von Tuberkulose stieß Robert Koch (1843-1910) im Jahr 1882 und zwei Jahre später kamen jene der Cholera hinzu. Der berühmte Louis Pasteur konnte unter anderem den Rindermilzbrand und die Geflügelcholera ausfindig machen. Im Jahr 1885 gelang diesem Mann auch die erste Impfung gegen Tollwut.

Geographie und Astronomie

Im 19. Jh. hatte man längst noch nicht alle Teile der Welt entdeckt und erkundet. Schon vor dieser Zeit vermuteten Forscher und Wissenschaftler, dass es einen großen Kontinent Südhalbkugel geben müsste, denn man noch nicht entdeckt hatte. Das offizielle Datum der Entdeckung der Antarktis ist das Jahr 1820, aber viele Weltkarten zeigen schon davor eine Landmasse namens „Terra australis“.

Der Mensch will ja bekanntlich hoch hinaus und dazu eignet sich das Bergsteigen ganz besonders. Ein Beispiel für eine solche Pioniertat aus dem 19. Jh. ist die Erstbesteigung des Matterhorns (4478 m) in der Schweiz im Jahr 1865.

Aber auch außerhalb unserer Erde kam es zu neuen Entdeckungen lange bevor wir uns daran machten, den Weltraum zu erobern. Im 19. Jh. waren noch längst nicht alle Planeten unseres Sonnensystems bekannt. Bei Beobachtungen der Flugbahn des Uranus entdeckte der deutsche Astronom Johann Gottfried Galle (1812-1910) im Jahr 1846 den bislang unentdeckt gebliebenen Neptun.

Auch in den Bereichen Soziales und Bildung hat sich einiges getan. So kam es im Jahr 1863 zur Gründung des Roten Kreuzes durch den Schweizer Henri Dunant. Die erste Volkshochschule wurde in Dänemark gegründet. Isaac Pitman aus Bath (England) bot den ersten Fernunterricht der Geschichte an. Jeder konnte sich gegen Vorauszahlung per Post ein Skriptum zur Erlernung von Stenographie zuschicken lassen. Für das Jahr 1840 äußerst innovativ wie ich meine. Auf der ersten Weltausstellung im Jahr 1851 in London präsentierten sich die einzelnen Länder durch ihre Idee und Entwicklungen.

Viele Entdeckungen und Erfindung aus dem 19. Jh. sind heute unerwähnt geblieben, aber vielleicht regt euch dieser Beitrag an selbst ein bisschen in der Geschichte zu graben. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Ergebnisse in einem Kommentar mitteilt.

Ich hoffe bei den heutigen Beispiele für Erfindungen und Entdeckungen aus dem 19. Jh. war das eine oder andere dabei, was ihr noch nicht gewusst habt. Nächste Woche sehen wir dann wohin unser Weg uns führen kann.

„Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden, wie beim Fahrrad.“ (Adam Opel)

 

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