Mythos am Mittwoch – Aktaion

Für den heutigen Mythos begeben wir uns nach Griechenland, besser gesagt ins Kithairongebirge. In den dichten, unwegsamen Wäldern aus Fichten und Zypressen befand sich ein wunderschönes Tal, das den Namen Gargaphia trug. Dort neben einer dichtbewachsenen Grotte entsprang eine klare Quelle, aus der ein kleiner See entsprang. Dieser kühle und schattige Platz ist der Schauplatz eines sehr bekannten Mythos, nämlich jener über Aktaion.

Aktaion war ein junger, gut aussehender Mann, der göttlicher Abstammung war. Des Weiteren war er ein leidenschaftlicher Jäger und dafür eignete sich das Kithairongebirge bestens. An einem besonders heißen Tag waren Aktaion und seine Jagdgefährten in den Wäldern. Nachdem sie einiges an Wild erlegt hatten, beschlossen sie in der glühenden Mittagshitze einen schattigen Platz zu suchen, um auszuruhen. Aktaion entfernte sich von der Gruppe und nach einiger Zeit stieß er auf das Tal namens Gargaphia. Der junge Mann dachte bei sich, dass dies der perfekte Ort für einen erholsamen Schlaf im Schatten der Zypressen sei. Doch Aktaion war nicht alleine. Der Hain, die Grotte, die Quelle und alles was dazu gehört war ein heiliger Ort der jungfräulichen Göttin Artemis. Diese war die Göttin der Jagd und der wilden Tiere. In der kühlen Quelle pflegte Artemis im Kreis ihrer Jagdgefährtinnen ein erfrischendes Bad zu nehmen. So auch an jenem Tag als Aktaion durch den Wald streifte.

Natürlich wusste Aktaion nicht, an welchen Ort er geraten war, als er den Hain betrat. Der junge Mann kam genau in dem Augenblick als Artemis sich von ihren Gefährtinnen baden ließ. Diese schrien laut auf, als die den männlichen Eindringling bemerkten. Die Begleiterinnen der Göttin versuchten sie vor den Blicken des Aktaion abzuschirmen, doch es war zu spät. Der junge Jäger konnte seinen Blick nicht mehr von Artemis abwenden, die in ihrer göttlichen Schönheit vor ihm stand. Das Gesicht der jungfräulichen Göttin glühte vor Scham und Wut und mit starrem Blick fasste sie Aktaion ins Auge. Der Unglückselige hätte fliehen sollen als weiterhin Artemis zu betrachten. Die Göttin beugte sich zum Wasser hinunter und spritzte dem Aktaion einige Tropfen ins Gesicht. Mit einer drohenden Stimme forderte sie ihn auf, den Menschen doch zu erzählen was er gesehen hätte, wenn er es noch könnte. Nun erfasste Aktaion eine namenlose Angst und er lief so schnell er konnte davon.

Statue der Artemis im Louvre, Paris (Eig. Foto)

Statue der Artemis im Louvre, Paris (Eig. Foto)

Während Aktaion rannte, wunderte er sich über seine eigene Schnelligkeit. Die Göttin hatte ihn verflucht und in einen Hirsch verwandelt. Ein stattliches Geweih wuchs auf seinem Kopf, Fell überzog seinen ganzen Körper und nun hatte er Hufe statt Füße. Als Aktaion sein Spiegelbild in einem Fluss bemerkte, was es schon zu spät. Der Jäger wollte sein Schicksal mit Worten ausdrücken, doch er konnte nicht mehr sprechen. Nur noch sein Verstand war der eines Menschen. Als Aktaion so am Fluss stand, bemerkte er nicht, dass sich seine eigenen Hunde auf ihn zubewegten. Sie hatten seine Fährte gewittert und begannen den Unglücklichen zu jagen. Nacheinander fielen die Hunde über ihren ehemaligen Herrn her und gruben ihre spitzen Zähne in sein Fleisch. In diesem Augenblick tauchten auch seine Jagdgefährten auf und warfen ihre Speere nach der vermeintlichen Beute. Kurz bevor Aktaion sein Leben aushauchte, hörte er seine Freunde nach ihm rufen, wo er sei. Er würde sich eine prächtige Beute entgehen lassen.

Ja, wenn die griechischen Götter erzürnt waren, dann konnte man sich als Sterblicher sicher sein, dass die Strafe auf den Fuß folgte. Gleichgültig ob man schuldig oder unschuldig war. Auch Aktaion hatte in diesem Fall keine Chance sich der Wut der gedemütigten Göttin zu entziehen. In der Kunst wurde dieser Mythos von zahlreichen Künstlern aufgegriffen wie beispielsweise von dem Maler Tizian.

Tizian, Gemälde Aktaion und Artemis (Quelle: Wikicommons)

Tizian, Gemälde Aktaion und Artemis (Quelle: Wikicommons)

 

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