Mythos am Mittwoch – Tantalos

In der griechischen Mythologie gibt es – wie in fast jeder Glaubensvorstellung – eine Hölle. Doch damit ist nicht wie z.B. im christlichen Glauben die Unterwelt an sich gemeint, sondern nur ein Teil davon. Die eigentliche Unterwelt wird Erebos genannt, das Reich von Hades und Persephone. Manchmal trägt die unterirdische Welt auch den Name ihres Herrschers. Erebos nun teilt sich in drei Bereiche. In welchen man als Verstorbener kam, lag ganz bei einem selbst. Die Seelen traten vor die drei Totenrichter und diese entschiedenen dann aufgrund ihrer Taten über den weiteren Verbleib des Verstorbenen. Wer ein gutes Leben geführt hatte, wurde dafür belohnt. Diese Toten kamen nach Elysium, wo sie ein seliges Leben führen können. Jene Menschen, die weder gut noch böse gewesen waren, wandeln als Schatten auf einer Wiese umher. Dort wächst die Totenblume Asphodelos und die Seelen fristen ihr Dasein in ewiger Langeweile. Natürlich gab es auch Menschen, die ein schlechtes Leben geführt hatten und viele schreckliche Dinge getan hatten. Für diese Frevler und Sünder gab es auch einen Bereich, den Tartaros. Das war der tiefste und dunkelste Teil der Unterwelt. Zeus hatte unter anderem auch die Titanen dorthin verbannt, damit sie ihm nicht mehr die Herrschaft streitig machen konnten. Aber wie gesagt dort befinden sich auch die Seelen der bösen Menschen und ein paar davon kennt die griechische Mythologie auch mit Namen. Die Geschichte von einem dieser Menschen möchte ich euch heute erzählen. Es ist der Mythos von Tantalos.

Tantalos war kein gewöhnlicher Streblicher, sondern ein Sohn von Zeus und der König in Sipylos in Kleinasien. Doch bei Tantalos zeigt sich wieder einmal, dass eine gute Abstammung nicht alles ist. Die Götter zogen den Halbgott ins Vertrauen und teilten ihre Geheimnisse mit ihm. Weiters durfte Tantalos am Tisch der Götter am Olymp speisen. Eine hohe Ehre, selbst für einen Sohn des Zeus. Doch wie so oft zeigte sich auch Tantalos des Vertrauens nicht würdig und hinterging die Götter. Er verriet ihre Geheimnisse an andere Menschen und stahl zu allem Überfluss auch noch Nektar und Ambrosia von der Tafel des Zeus. Dabei handelt es sich um den Göttertrank und die Speise der Götter. Diese verteilte Tantalos unter seinen Freunden. In seiner Vermessenheit ging Tantalos so weit seinen göttlichen Vater und die restlichen olympischen Götter zum Essen zu sich in den Palast einzuladen. Tantalos wollte ihre Allwissenheit auf die Probe stellen. Der frevlersiche König beging nun eine wahrlich grauenhafte Tat. Tantalos schlachtete seinen eigenen Sohn Pelops, ließ ihn kochen und setzte dieses abartige Gericht dann den Göttern vor. Natürlich bemerkten alle Unsterblichen sofort, was ihnen da zum Essen vorgesetzt worden war. Naja, nicht alle Untersterblichen. Denn die Göttin Demeter war über den Verlust ihrer Tochter Persephone, die Hades geraubt hatte, so betrübt, dass sie einen Bissen nahm. Die Götter handelten sofort und warfen die Körperteile von Pelops in einen Kessel und machten ihn wieder lebendig. Demeter hatte ein Stück von Pelops Schulter gegessen, das die Götter durch Elfenbein ersetzten.

Als nächstes nahmen sich Zeus und die anderen Götter Tantalos zur Brust. Das Maß war eindeutig voll. Tantalos wurde in den Tartaros geworfen und dort zu einer dreifachen Strafe verurteilt. Der Frevler stand in einem Teich und litt einen furchtbaren Durst. Doch wenn er sich bückte, um Wasser zu schöpfen, wich dieses zurück und Tantalos konnte seinen Durst niemals stillen. Weiters wuchsen über ihm köstliche Früchte und Tantalos, der auch Hunger hatte, streckte seine Hand aus, um eine zu pflücken. Doch immer wenn er das tat, kam ein Wind auf, der die Zweige in die Höhe riss. Als dritte Strafe hingen die Götter einen Felsbrocken über Tantalos Kopf auf, der jeden Moment herunterstürzen zu drohte. Damit kamen zu Hunger und Durst noch Todesangst als Qual für Tantalos hinzu. Tief war der Sohn des Zeus gefallen und büßte dreifach für seine verabscheuungswürdigen Taten.

Tantalos, Kupferstich aus dem 17. Jh. (Quelle: Wikicommons)

Tantalos, Kupferstich aus dem 17. Jh. (Quelle: Wikicommons)

Auch die Nachkommen des Tantalos traten in die Fußstapfen ihres Ahnherrn, zumindest was die Sünden betrifft. Man nannte das Geschlecht die „Tantaliden“ und namhafte Vertreter wären beispielsweise Agamemnon, König von Mykene und Feldherr vor Troja, sowie Menelaos, sein Bruder und Ehemann der schönen Helena. Es ergibt sich sicherlich noch die Gelegenheit mehr über diese verfluchte und frevelhafte Familie zu schreiben. Aber auch die anderen Sünder, die sich im Tartaros tummeln, werden noch thematisiert werden.

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