Streit um die Malwinen

… oder wo die Hauptstadt „Stanley“ heißt.

Wir schreiben den 2. April 1982. Für die Malwinen war dieses Datum von großer Bedeutung, als dort an diesem Tag ein Konflikt entbrannte. Noch nie etwas von den Malwinen gehört? Meistens ist die Inselgruppe unter einem anderen Namen bekannt, nämlich „Falklandinseln“. Dieses Fleckchen Erde liegt zwar vor der Ostküste von Argentinien, aber gehört derzeit zum Vereinigten Königreich. Doch das war natürlich nicht immer der Fall. Es stellt sich auch die Frage, warum überhaupt die Briten sich auf den Falklandinseln breit gemacht haben. Deshalb wird heute nicht nur der Falklandkrieg im Jahr 1982 beleuchtet werden, sondern auch seine Vorgeschichte.

Geographisch gesehen liegen die Falklandinseln 395 km vor der argentinischen Küste und mehr als 12.000 km von England entfernt. Über 200 kleine Inseln gehören zu der Inselgruppe dazu. Allerdings gibt es eine östliche und eine westliche Hauptinsel, Ostfalkland und Westfalkland. Die Hauptstadt trägt den netten Namen „Stanley“ und es wohnen beinahe 3.000 Leute (ohne die ca. 1.700 stationierten Soldaten) auf den Falklandinseln. Die Währung nennt sich Falklandpfund und es handelt um ein britisches Überseegebiet mit einer inneren Autonomie. Betrachtet man die Geschichte der Falklandinseln, so kam erst durch die europäischen Seefahrer und Entdecker der Neuzeit Leben auf die Insel. Zuvor galten sie als unbesiedelt. Erst im 16. Jh. kam es zu den ersten Sichtungen der Inselgruppe. 1690 betraten Briten als erste Menschen die Falklandinseln. Natürlich stellte man sich gleich die Frage, wie das neue Land zu benennen sei und zu Ehren des britischen Politikers Anthony Cary, 5. Viscount Falkland (1656-1694) wurden die Inseln eben Falklandinseln getauft. Doch lange blieben die Briten nicht alleine auf den Falklandinseln, denn die Franzosen richteten sich auf Ostfalkland häuslich ein. So kamen die Falklandinseln zu ihrem zweiten Namen, denn die im Französischen hießen sie „Îles Malouines“.

Flagge der Falklandinseln (Quelle: Wikicommons)

Flagge der Falklandinseln (Quelle: Wikicommons)

Lange blieben die Briten nicht auf den Falklandinseln und übergaben sie 1766 an Spanien. Ja, die Inselgruppe wechselt sehr oft den Besitzer. 1811 verloren auch die Spanier das wirtschaftliche Interesse an den Falklandinseln, wollten aber die Oberhoheit nicht aufgeben. Nun mischte sich Großbritannien wieder ein und besetzte die Falklandinseln im Jahr 1833, um die Mündung des Rio de la Plata (Silberfluss) offen halten zu können. Diese Handlung war eigentlich gegen die so genannte Monroedoktrin“, die 1823 von den USA ausgegeben worden war. Jeder Versuch einer europäischen Macht ihr politisches System auf dem amerikanischen Kontinent zu installieren, stellte einen feindlichen Akt gegen die USA dar. Zu dieser Zeit befanden sich die Staaten in Südamerika allerdings im Umbruch und so konnte Großbritannien ohne weiteres handeln. 1837 wurde eine Kolonialverwaltung auf den Falklandinseln eingerichtet. Das eigentliche Problem bei dieser erneuten Inbesitznahme der Inselgruppe durch die Briten bestand darin, dass Argentinien bereits 13 Jahre zuvor das gleiche wie Großbritannien gemacht hatte. Die Briten warfen zunächst die spanische Bevölkerung von den Falklandinseln und verhängten das Verbot der Zuwanderung vom südamerikanischen Kontinent aus. Nun konnte Großbritannien die Falklandinseln als Militärstützpunkt nutzen und auch die Gewerbe der Fischerei und der Schafzucht boomten. Die Einwohner der Falklandinseln wurden „Kelpers“ genannt, was die Bezeichnung für Seetang war. Trotz der Idylle mit Schafherden und Fischerbooten war der Ärger mit Argentinien vorprogrammiert. Dieser fand aber nicht mehr im 19. Jh., sondern im 20. Jh. statt. Aber zuvor kamen die Falklandinseln mit dem 1. Weltkrieg in Berührung als deutsche Kriegsschiffe von den in Port Stanley stationierten britischen Schiffen zerstört wurden.

Politische Verhältnisse in Südamerika 1975 (dtv-Atlas, S. 584)

Politische Verhältnisse in Südamerika 1975 (dtv-Atlas, S. 584)

Um die Ereignisse rund um den Falklandkrieg besser zu verstehen, muss man sich die Geschichte von Argentinien in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. ansehen. 1973 war der ehemalige argentinische Präsident Juan Peron (1895-1974) aus seinem Exil zurückgekehrt und schafft es wieder an die Macht zu gelangen. Lange dauerte die zweite Amtszeit von Peron als Präsident nicht, denn er starb Anfang Juli 1974. Seine zweite Gattin Isabel Peron übernahm die Regierung und es brach eine unruhige Zeit für Argentinien an. Nur zwei Jahre danach kam es zu einem Militärputsch, was das abermalige Ende des „Peronismus“ bedeutete. In den folgenden Jahren war Argentinien geprägt von einem Staatsterrorismus, der sich gegen eine Vielzahl von Menschen richtete. Ca. 30.000 Menschen wurden in den Jahren von 1976 bis 1983 ermordet. Mit der Wirtschaft ging es rapide bergab und die Inflationsrate lag 1976 bei 500 %. Ablenkung sollte vor allem die Fußballweltmeisterschaft 1978 bringen, denn die FIFA hatte offenbar keine Bedenken gegen das Austragungsland trotz des Terrors gegen Teile der Bevölkerung. Doch die Militärregierung ging noch weiter und begann die Politik nach außen zu richten. Zunächst legte man sich mit Chile an, bevor 1978 die Idee auftauchte, sich die Falklandinseln wieder unter den Nagel zu reißen. Diese war nicht neu, denn Argentinien hatte nie ganz aufgegeben, die Falklandinseln als ihr Hoheitsgebiet zu betrachten. Im Jahr 1965 hatte es sogar eine UN-Resolution gegeben, worin erklärt wurde, dass die Inselgruppe einer Dekolonisation bedürfe. Mit anderen Worten hätten die britischen Schafzüchter, Fischer und Soldaten Leine zu ziehen, um die Falklandinseln an Argentinien zurückzugeben. Doch Großbritannien zeigte sich unbeeindruckt und die Schafe und Soldaten blieben wo sie waren. Also entschied sich die argentinische Militärjunta zum Handeln. Die Propagandamaschine begann 1982 zu laufen und eine wahre politische Kampagne bekräftigte die Ansprüche Argentiniens auf die Inselgruppe vor der Ostküste.

So kam es zur Landung von argentinischen Truppen auf den Falklandinseln am 2. April 1982. In dieser Zeit kam es auch zur Besetzung von South Georgia und den Sandwich Inseln (ja, die heißen wirklich so). Zunächst konnten sich die britischen Einwohner nur auf das amerikanische Festland zurückziehen. Die Hauptstadt wurde von Port Stanley in Puerto Argentino umbenannt. Die Menschen in Argentinien begrüßten zunächst die Besetzung der Falklandinseln und kurz schien es als hätte die militärische Operation Erfolg gehabt. Doch man hatte in Buenos Aires nicht mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher (1925-2013) und ihrer Regierung gerechnet. Die „Eiserne Lady“, wie Thatcher genannt wurde, war aufgrund ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik zu diesem Zeitpunkt nicht sehr beliebt bei den Briten und so entschied man sich den Kampf um die Falklandinseln aufzunehmen. Weiters sah man sich auch in der Pflicht gegen die Militärdiktatur und ihre politischen Aktionen vorzugehen. Die UNO versuchte zu vermitteln, aber vergeblich. Niemand hatte mit diesem Krieg gerechnet, der 1982 um die Herrschaft auf den Falklandinseln ausbrach. Die USA und die Europäische Gemeinschaft stellten sich auf die Seite von England, was keine Überraschung ist. Mehrere südamerikanische Staaten unterstützten Argentinien wie z.B. Nicaragua oder Peru. Nur Chile unter Diktator Pinochet stellte sich gegen die Argentinier. Zunächst begannen die Briten einen Seekrieg gegen die argentinische Marine, allerdings kam es auch zu Verlusten von britischen Schiffen durch Luftangriffe. Die besser ausgebildeten britischen Truppen konnten sehr rasch wieder auf den Falklandinseln Fuß fassen und Ende Mai kam es zu den ersten Kämpfen. Am 14. Juni 1982 mussten die argentinischen Streitkräfte, die sich in der Hauptstadt verschanzt hatten, aufgeben. Ungefähr 2.000 Soldaten mussten während des Falklandkrieges ihr Leben lassen, die Mehrheit war aus Argentinien. Großbritannien hatte seine Besitzansprüche über die Falklandinseln durchgesetzt.

Die Kirche in Stanley, Ostfalkland (Quelle: Wikicommons)

Die Kirche in Stanley, Ostfalkland (Quelle: Wikicommons)

Die militärische Niederlage bedeutet auch das Ende der argentinischen Militärjunta, denn sie verlor den Rest an Glaubwürdigkeit in den Augen der Bevölkerung. Der neue starke Mann an der Macht war General Reynaldo Bignone (geb. 1928), der bestrebt war die Militärdiktatur zugunsten einer Zivilregierung zu beenden. Am 10. Dezember 1983 wurde Raúl Alfonsin zum Staatsoberhaupt gewählt und 1984 legten auch Argentinien und Chile ihren Konflikt friedlich bei. Die Forderung der Rückgabe der Falklandinseln hat Argentinien aber nicht aufgegeben, wobei immer wieder offiziell ein Antrag an Großbritannien in dieser Causa gestellt wird. Eine Volksbefragung 2013 ergab jedoch, dass sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung für einen Verbleib bei Großbritannien ausgesprochen hat. Doch auch dieser Umstand bedeutete nicht, dass die argentinische Regierung klein beigibt. Möglicherweise weil in den Gewässer rund um die Falklandinseln auch Öl vermutet wird.

Wie sich deutlich gezeigt hat, ist die Geschichte der Falklandinseln sehr bewegt und von einem häufigen Besitzwechsel geprägt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation der kleinen Inselgruppe weiter entwickeln wird.

„Was mit Gewalt gewonnen wird, hat keine Dauer.“ (Oliver Cromwell)

Literatur:

dtv Atlas Weltgeschichte, Bd. 2, 2004

Riekenberg, Kleine Geschichte Argentiniens, 2009.

Studienbuch Geschichte, Bd. 2, 2003.

Schröder, Englische Geschichte, 2010.

 

 

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